neXTvote 2013: Keine Phrasen, viel Spaß und voller Durchblick

Über 600.000 Zugriffe auf den Wahl-O-Mat, kurzweilige und jugendgerechte Events mit den Spitzenkandidat-inn-en sowie jugendpolitische Aktionen in vielen Wahlkreisen: Der Landesjugendring Niedersachsen e.V. (LJR) zieht eine durchweg positive Bilanz der neXTvote-Kampagne.

„Unser Ziel, junge Menschen für Politik zu interessieren und einen jugendgerechten Dialog zwischen Jugendlichen und Politik zu ermöglichen, haben wir erreicht.“, so LJR-Vorstandssprecher Jens Risse.

Bei den X=Meetings hatten junge Menschen die Gelegenheit, mit jeweils einer/m Spitzenkandidatin/en von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE und Piratenpartei ihre Anliegen zu diskutieren. Das Methodensetting der X=Meetings hat dafür gesorgt, dass sich David McAllister, Stephan Weil, Stefan Birkner, Anja Piel, Manfred Sohn und Meinhard Ramaswamy nicht hinter Phrasen verstecken konnten, sondern dass sie die Anliegen der Jugendlichen ernst genommen und sich dazu positioniert haben. So kam es zu einem lockeren und trotzdem ernsthaften Dialog auf Augenhöhe, der allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat.

Im Mittelpunkt der Events standen neben Perspektiven der Jugendarbeit insbesondere die Verknappung der Freizeit junger Menschen durch hohe Zeitbelastungen in Schule und Studium sowie die Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungsprozessen.

Mit über 600.000 User-inne-n konnten die Zugriffszahlen des Wahl-O-Mat im Vergleich zur letzten Landtagswahl annähernd verdreifacht werden. „Wir freuen uns über die sehr gute Nutzung des Wahl-O-Mat, denn dies zeigt auch, dass sich auch viele junge Menschen für die Landtagswahl interessieren.“, so Björn Bertram vom Landesjugendring Niedersachsen e.V. Denn insbesondere bei Erst- und Jungwähler-inne-n ist das interaktive Online-Tool beliebt, das spielerisch das Interesse an Wahlen weckt und viele nützliche Hintergrundinformationen bereithält.

Ergänzend fanden in vielen Wahlkreisen jugendpolitische Aktionen von Jugendverbänden und Jugendringen statt, die vom Landesjugendring mit Material, Methoden und Ideen unterstützt wurden.
Die vielfältigen Aktionen rund um die Landtagswahl haben gezeigt, dass es bei jungen Menschen ein großes politisches Interesse gibt und sie bereit sind, sich für ihre Interessen und Projekte zu engagieren, wenn die Voraussetzungen für echte Partizipation gegeben sind.

 

Die X-Meetings mit den Spitzenkandiat-inn-en im Einzelnen:

Ein McAlliSTERN ist aufgegangen

Es ist morgens früh, kurz vor 8:00 Uhr, die Sonne geht auf und im Tabor, dem katholischen jugendpastoralen Zentrum in Hannover, haben sich 40 junge Menschen versammelt – bei einer Tasse Kaffee und Croissants warten alle gespannt auf Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat David McAllister – pünktlich trifft dieser zum X=Meeting ein.

Bereits beim Warm-up mit dem Spiel „schwarz oder weiß“ wird deutlich: David McAllister hat Lust auf den Dialog mit den Vertreter-inne-n der Jugendverbände und freut sich auf die etwas andere Veranstaltung in seinem Wahlkampf-Programm. Gut gelaunt und mit Spaß beantwortet er die Auswahlfragen von Rebecca Lühmann (AEJN) und Sebastian Hemme (BDKJ), die das X=Meeting moderieren.

Wie auch bei den anderen X=Meetings spielt die Bildungspolitik für die Jugendlichen eine wichtige Rolle – die gestiegenen Belastungen der Schüler-innen durch Ganztagsschule und die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur erschweren ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit und lassen wenig Platz für eigene Hobbys. McAllister verteidigt die Entscheidung, die Schulzeit zu verkürzen, und möchte die Zahl der Ganztagsschulen weiter erhöhen – er verspricht aber eine Ausdünnung der Lehrinhalte, möchte zwei „schulfreie“ Nachmittage pro Woche, um Zeit für die Angebote der Jugendverbände zu haben, und außerdem die Einbindung der Jugendverbände in die Ganztagsschule verbessern.

Stephan Weil: Auspacken – besser machen!

Zwar war es am 18.12.2012 noch ein wenig früh für Weihnachtsgeschenke – doch die jugendlichen Ehrenamtlichen, die zum X=Meeting mit Stephan Weil, dem Spitzenkandidaten der SPD zur niedersächsischen Landtagswahl gekommen sind, haben trotzdem schon mal ein paar Dinge zum „Auspacken“ mitgebracht.

Und Stephan Weil packt aus – er erzählt von seiner Kindheit, seiner (jugend-) politischen  Sozialisation bei der Evangelischen Jugend und den Falken, davon, dass er als Kind seine Zeit am liebsten auf dem Fußballplatz verbracht hat und heute vielleicht lieber einen Schlafanzug statt eines Smokings tragen würde – doch vor allem geht‘s um Politik:

Wieder mehr Freizeit für junge Menschen ist für den SPD-Spitzenkandidaten ein wichtiges Anliegen. Er fordert eine Ausdünnung des Lehrstoffs an Schulen und ebenso mehr Freiheiten im Studium – vor die Wahl gestellt, bevorzugt er „G9“ statt „G8“ und Diplom statt Bachelor. Er verspricht, dass die SPD das Wahlalter auch bei Landtagswahlen auf 16 Jahre absenken will und dass er sich in seiner Partei für einen stärkeren Einsatz von Socialmedia einsetzen will, um insbesondere junge Menschen stärker einzubinden.

Den Jugendverbänden schreibt Stephan Weil eine hohe Bedeutung bei der außerschulischen und politischen Bildung zu – in Entscheidungsprozessen rund ums Thema Bildungspolitik seien sie wichtige Partner. Zusätzlich wünscht er sich eine stärkere Einbeziehung der Jugendverbandsarbeit in die Angebote von Ganztagsschulen.

Aus seiner jetzigen Tätigkeit als Oberbürgermeister in Hannover weiß Weil, wie wichtig eine hauptamtliche Ausstattung zur Unterstützung der Ehrenamtlichen in den Jugendverbänden ist. Abschließend fordert er die jungen Menschen auf, sich selbst politisch zu engagieren und eigene Vorstellungen in die Strukturen und die Gestaltung von Parteipolitik einzubringen.

Anja Piel: Einst Störfall, heute Spitzenkandidatin

Wenn Anja Piel, die Spitzenkandidatin der Grünen, etwas aus ihrer Lebensgeschichte erzählt, wird schnell deutlich: Wir unterhalten uns mit einer Frau, die seit über 30 Jahren politisch aktiv ist und die durch ihr politisches Engagement geprägt wurde. Bereits mit 15 Jahren wurde sie während eines Klassenausflugs aus einem AKW rausgeschmissen, weil sie kritische Nachfragen stellte und Störfälle auflistete. Sie hat immer wieder erlebt, dass sich politisches Engagement lohnt – und sicherlich nicht zuletzt deshalb ist Beteiligung eine Herzensangelegenheit der grünen Spitzenkandidatin.

Als die Teilnehmenden der X=Meetings berichten, wie viel Zeit Schule und Studium „verschlingen“ und wie wenig Zeit daneben für ehrenamtliches Engagement und andere Hobbys bleibt, hört Anja Piel nachdenklich zu – sie fordert eine Ausdünnung der Lerninhalte und die Verlängerung der Schulzeit bis zum Abitur auf 13 Jahre. Außerdem unterstreicht sie die Bedeutung der Jugendarbeit. Sie findet es toll, dass so viele junge Menschen an Juleica-Ausbildungen teilnehmen: „Leider gab es so etwas nicht, als ich früher Fahrten begleitet habe.“, bedauert Piel – an einer Juleica-Schulung würde sie auch heute noch gerne einmal teilnehmen.

Bei der Verabschiedung fordert die grüne Spitzenkandidatin noch einmal zur politischen Beteiligung auf – sie freue sich auch in Zukunft über Anregungen und Kritik und verspricht, auch im Landtag ein offenes Ohr für die Interessen der Jugendarbeit zu haben.

Stefan Birkner – mit uns auf einer Wellenlänge

Auch wenn die DLRG-Jugend der gastgebende Verband des X=Meetings mit Stefan Birkner ist: Ins Schwimmen gerät der FDP-Spitzenkandidat nicht und auch die Teilnehmenden müssen nicht vor dem Politiker gerettet werden. Im Gegenteil: Es ist ein kurzweiliges X=Meeting mit einem Dialog auf echter Augenhöhe.

Gleich zu Beginn des X=Meetings geht es um Förderung und Unterstützung für die Jugendarbeit – und Stefan Birkner muss beim Quiz „Wer wird Mister X=?“ sein Wissen über die niedersächsische Jugendarbeit unter Beweis stellen. Freimütig bekennt sich der Umweltminister dazu, dass er die Rahmenbedingungen der Jugendarbeit nicht in aller Tiefe kennt, doch er ist sehr interessiert, tiefer einzutauchen, und lässt sich von den knapp 20 jungen Menschen aus verschiedenen Jugendverbänden aktuelle Herausforderungen und Beispiele gelingender Jugendarbeit aufzeigen. Er sichert zu, sich auch zukünftig für eine wenigstens gleichbleibende finanzielle Förderung einzusetzen.

Ein weiterer Schwerpunkt des X=Meetings ist die Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen – diese muss nach Birkners Ansicht damit beginnen, dass Politik auch so erklärt wird, dass Kinder und junge Menschen sie verstehen können. Er weist auf bestehende Informationsangebote für Kinder hin, die für Jugendliche jedoch weitestgehend fehlen, und er würde es begrüßen, wenn es mehr altersangemessene Beteiligungsmöglichkeiten geben würde.