Du bist der glüXfaktor!

Zur Kommunalwahl 2011 gab es ein breites Aktionssetting unter dem Motto "Du bist der glüXfaktor!"

Neben zahlreichen kommunalen glüXaktionen gab es den glüXtest als landesweite Online-Befragung junger Menschen zur Zufriedenheit mit ihrem Wohnort.

Glücklich ja, aber das liegt nicht an der Politik

Die meisten Jugendlichen Niedersachsens leben gerne in ihrer Stadt – doch ihr Zeugnis für die niedersächsischen Städte zeigt auch, dass sie sich Verbesserungen wünschen. Die Kommunalpolitik in der beginnenden Legislaturperiode ist nun am Zug, um die Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche gemeinsam mit den jungen Menschen zu verbessern.

Welche Städte bereits jetzt besonders jugendfreundlich sind und wo es noch Nachholbedarf gibt, zeigt der „glüXtest” des Landesjugendrings Niedersachsen e.V.: An dieser Online-Umfrage haben sich im Vorfeld der Kommunalwahl landesweit fast 5.000 junge Menschen beteiligt. Dabei wurden die Jugendlichen gebeten, ihren Wohnort anhand von 16 verschiedenen Fragestellungen mit Schulnoten zu bewerten. Diese 16 Fragen lassen sich in drei inhaltliche Themenbereiche (Freizeitangebote, Beteiligung, Schule & Ausbildung) und die sogenannten „Wohlfühlfragen” unterteilen.

Freizeit und außerschulische Bildung

Der Themenblock „Freizeit und außerschulische Bildungsangebote” ist der Themenblock, der von den drei inhaltlichen am besten abgeschnitten hat. Betrachtet man jedoch die Beurteilungen zu den einzelnen Fragestellungen genauer, so lassen sich deutliche Unterschiede ausmachen:

Durchschnittlich wurde das gesamte Freizeitangebot mit einer 3,2 beurteilt. Besonders glänzen an dieser Stelle die Sportangebote (hierunter verbergen sich nicht nur die Sportangebote der Vereine, sondern auch die Sportplätze, Sporthallen, Schwimmbäder u.Ä.) und die Jugendverbände, die mit einer 2,6 bzw. 2,9 „Klassenbeste” sind. Das Angebot der offenen Jugendtreffs wird hingegen mit einer 3,4 beurteilt.

Das Angebot an (kommerziellen) Vergnügungseinrichtungen (wie z.B. Diskotheken, Konzerte, Kinos, Theater, Kneipen) wird durchschnittlich mit 3,7 und damit auffällig schlecht beurteilt; besser schneidet der ÖPNV, ab: Für die Bus- und Bahnanbindung geben die Befragten durchschnittlich eine 3,2.

Beteiligung an politischen Entscheidungen

Besorgniserregend schlecht sind die Bewertungen im Themenbereich „Partizipation”. Auf die Frage „Wie beurteilst du die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen (z.B. durch Jugendforen, projektbezogene Zukunftswerkstätten, Jugendausschüssen o.Ä.)” lag die landesweite Durchschnittsnote bei 3,7; gefragt, ob die Politikerinnen und Politiker die Wünsche der Jugendlichen ernst nehmen würden, gab es im Durchschnitt sogar nur eine 3,9. Nur 14,4 bzw. 11,6% der Befragten bewerteten diese Fragen mit einer guten oder sehr guten Note.

Dass die Ursachen für die schlechte Bewertung der Beteiligungsmöglichkeiten nicht in einer häufig vermuteten Politikverdrossenheit Jugendlicher zu suchen sind, wird auch anhand des glüXtests deutlich: zum einen durch die hohe Zahl der Teilnehmenden an dem Online-Voting und zum anderen belegen auch die Forderungen der Jugendlichen in der Freitextfrage ein hohes Interesse an stärkerer jugendgerechter Beteiligung.

Die schlechten Noten für Jugendbeteiligung und das Ernstnehmen durch die Politik sind nach Ansicht des Landesjugendrings ein Warnsignal für die Politiker-innen: Jugendliche müssen von Parteien besonders angesprochen und ihre Wünsche ernst genommen werden. Das große Interesse an der neXTvote-Kampagne hat gezeigt, dass Jugendliche sich für ihre Stadt interessieren und sich vor Ort engagieren wollen, wenn man sie nur lässt.

Schul- und Ausbildungssituation

An kaum einem anderen Ort verbringen Jugendliche so viel Zeit wie in der Schule oder am Arbeitsplatz und die Frage nach einem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz ist für viele junge Menschen von zentraler Bedeutung. Im landesweiten Durchschnitt wird die Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation mit einer 3,2 bewertet. Der bauliche Zustand der Schulen wird niedersachsenweit durchschnittlich mit einer 3,1 bewertet.

Jugendfreundlichkeit

Neben den Freizeit- und Beteiligungsmöglichkeiten sowie der Schul- und Ausbildungssituation gibt es noch weitere Faktoren, die dafür ausschlaggebend sind, wie gerne Jugendliche in ihrer Stadt leben. Dazu gehören auch sehr subjektive Werte wie z.B. die „gefühlte” Jugendfreundlichkeit. Dazu stellte der glüXtest die Frage „Wie jugendfreundlich sind die Menschen... in deinem Wohnort?” – differenziert nach „in der Politik”, „in der Schule” und „auf der Straße”.

Insbesondere bei der Jugendfreundlichkeit in der Schule war im Landesdurchschnitt ein gutes Ergebnis zu verzeichnen – hier vergaben die Jugendlichen eine 2,8. Für die Menschen „auf der Straße” gab es im Durchschnitt eine 3.0, für Politiker-innen nur eine 3,3. Dies korreliert mit den Ergebnissen auf die Fragen im Block „Beteiligung”: Entweder führt der Eindruck der Jugendlichen, dass ihre Wünsche von Politiker-inne-n nicht ernst genommen werden, dazu, dass man sie auch unfreundlich findet oder weil Politiker-innen von Jugendlichen als unfreundlich empfunden werden, wird ihnen auch nicht zugetraut, sich für die Wünsche von Jugendlichen einzusetzen.

Jugendliche leben gerne in ihrer Stadt

Die niedersächsischen Jugendlichen leben gerne in ihrem Wohnort – über 60% aller Befragten vergaben bei der Frage „Wie gerne lebst du bei dir im Ort?” eine 1 oder 2 – bei keiner anderen Frage gab es eine ähnlich hohe Zufriedenheit wie hier. Die hohe Gesamtzufriedenheit der Jugendlichen mit ihrer Lebenssituation hängt also offenbar auch stark mit persönlichen Faktoren – wie z.B. der eigenen Familie und dem Freundeskreis – zusammen.

Für die Jugendfreundlichkeit einer Kommune sind jedoch die im glüXtest abgefragten Bereiche von großer Bedeutung: Die Bewertung der Jugendfreundlichkeit des Wohnortes korreliert mit den Einschätzungen zu den anderen Fragen.

2006 war's noch besser

Das Online-Voting wurde 2011 nach dem ersten Durchgang vor der Kommunalwahl 2006 bereits zum zweiten Mal durchgeführt. Da Fragen und Methodik des Votings nicht verändert wurden, ist nun auch ein Zeitreihenvergleich möglich.

Auffällig dabei ist, dass die Beurteilungen aus dem Jahr 2011 im Landesdurchschnitt bei fast allen Fragen schlechter ausfallen als 2006 – lediglich der ÖPNV und die Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation wird 2011 besser beurteilt als vor 5 Jahren.

Auch für einige Landkreise und Städte ist der direkte Vergleich zwischen 2006 und 2011 möglich. Positiver als noch 2006 wurden 2011 die Städte Hannover, Braunschweig und Göttingen sowie die Landkreise Vechta, Göttingen, Osterode, Hildesheim und Wolfenbüttel bewertet. Deutlich schlechter beurteilt wird die Lebenssituation hingegen in den Landkreisen Helmstedt, Harburg, Gifhorn, Cloppenburg, Diepholz, Leer, im Heidekreis, in der Region Hannover und der Grafschaft Bentheim sowie in der Stadt Laatzen.

Osnabrück und Landkreis Vechta vorne – Helmstedt ist Schlusslicht

Besonders gerne leben die Jugendlichen in der Stadt Osnabrück und im Landkreis Vechta – die Durchschnittsnote in diesen beiden Kommunen ist jeweils eine 2,8. Die Stadt Osnabrück kann dabei insbesondere im Bereich der Freizeit- und außerschulischen Bildungsangebote punkten, der Landkreis Vechta hat besonders gute Werte bei der Frage „Wie gerne lebst du in deiner Stadt?”.

Die schlechtesten Noten erhalten der Landkreis Helmstedt (3,8), die Stadt Bad Münder und der Landkreis Nienburg (3,7). Auffällig ist, dass der Landkreis Helmstedt in allen drei Fragebereichen am Ende des Notenspiegels liegt.

Die Ergebnisse für alle Landkreise und Kommunen, in denen über 20 junge Menschen an der Befragung teilgenommen haben, können als PDF heruntergeladen werden.

 

Der glüXtest zeigt auch, dass es signifikante Unterschiede gibt, wenn man die sich die Ergebnisse sortiert nach verschiedenen Clustern anschaut:

Regionen mit Bevölkerungsrückgang unbeliebter

Jugendliche, die in einer Region mit Bevölkerungsrückgang leben, beurteilen ihre Region deutlich schlechter, Jugendliche aus Regionen mit einem Bevölkerungszuwachs hingegen positiver. Besonders auffällig ist dies im Themenbereich „Schule und Ausbildung”: Während Jugendliche in Regionen mit steigenden Bevölkerungszahlen die Situation durchschnittlich mit 3,1 bewerten, gibt es für Regionen mit einem Bevölkerungsrückgang nur eine 3,4. Sowohl die Ausbildungsplatz-Situation (3,4 zu 3,0) als auch der Zustand der Schulen (3,1 zu 2,8) wird deutlich schlechter bewertet. Diese schlechteren Beurteilungen schlagen sich auch bei der Frage „Wie gerne lebst du in deiner Stadt?” nieder – hier gibt es in den Schrumpfungsregionen eine 2,6, während die Zuwachsregionen mit 2,3 bewertet werden.

Ehrenamtliche leben lieber in ihrer Stadt

Wer sich ehrenamtlich engagiert, ist offensichtlich mit seiner Lebenssituation grundsätzlich zufriedener als Jugendliche, die sich nicht engagieren. Engagierte haben bei fast allen Fragen bessere Noten vergeben als die Nicht-Engagierten. Waren die Beurteilungen bei fast allen Fragen etwa 0,1 Notenstufen besser, so gab es bei der Beurteilung der Angebote der Jugendverbände (2,7 zu 3,1) eine deutlich bessere Bewertung – es wäre aber auch verwunderlich, wenn das anders gewesen wäre.
Die Engagierten nutzten die Möglichkeiten, die ihnen das Ehrenamt bietet, also offensichtlich, um – zumindest für sich selber – die Lebensbedingungen zu verbessern.

Jungs sind etwas glücklicher als Mädchen

Auch wenn die Gesamtbeurteilung der Kommunen durch männliche und weibliche Befragte gleich ausfällt, gibt es bei den einzelnen Fragen durchaus Unterschiede zwischen den beiden Gruppen: Die weiblichen Befragten bewerteten bei 9 Fragen ihren Ort schlechter als die männlichen Befragten. Insbesondere ihre Einschätzungen der Jugendfreundlichkeit in der Politik und der Freizeiteinrichtungen (Items Jugendtreffs, Sportangebote, Diskos/Kneipen und ÖPNV) fallen schlechter aus, die Angebote der Jugendverbände hingegen werden von ihnen besser bewertet.

Hintergrundinformationen

Methodik

Die Fragen befassten sich mit kommunalpolitischen Handlungsfeldern und zeigten damit den Voting-Teilnehmer-inne-n auf, worum es bei der Kommunalwahl geht und wie stark sie in ihrer Lebenswelt von kommunalpolitischen Entscheidungen abhängig sind. Entwickelt wurden die Fragen gemeinsam mit den regionalen neXTvote-Partnern unter der Einbeziehung junger Menschen.

Das Voting bestand aus drei inhaltlichen Frageblöcken:

In dem Fragenblock „Freizeit und außerschulische Bildung” wurde in insgesamt 6 Fragen nach der Zufriedenheit mit den

  • offenen Jugendtreffs,
  • Angeboten der Jugendverbände und -gruppen,
  • Sportangeboten der Vereine und der sportbezogenen Infrastruktur,
  • Angeboten an Diskotheken, Konzerten, Kinos etc.,
  • Fortbildungsangeboten wie Musikschule, Volkshochschule und Bibliothek
  • und mit dem Öffentlichen Personennahverkehr

gefragt.

Der zweite Frageblock befasste sich in zwei Fragestellungen mit der Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen, die Fragen lauteten hier:

  • Wie beurteilst du die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen (z.B. durch Jugendforen, projektbezogene Zukunftswerkstätten, Jugendausschüsse und Ähnliches?
  • Wie stark werden deine Wünsche und Interessen von den Politikerinnen und Politikern in der Kommune ernst genommen?

Und der dritte Themenbereich schließlich war die Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsplatz-Situation, zu der es drei Fragen gab:

  • Beurteilung der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation im Ort
  • Beurteilung, wie stark sich Kommunalpolitiker-innen um eine Verbesserung bemühen
  • Versorgung, Situation und baulicher Zustand der Schulen

Neben diesen drei inhaltlichen Themenkomplexen befassten sich weitere Fragen mit der Jugendfreundlichkeit von Politiker-inne-n, der Jugendfreundlichkeit in der Schule und der „auf der Straße” (Mitmenschen). Zum Abschluss gab es dann noch zwei übergreifende Fragen:

  • Wie gerne lebst du bei dir im Ort?
  • Wie bewertest du die Kinder- und Jugendfreundlichkeit deiner Kommune insgesamt?

Während bei all diesen Fragen jeweils die Beantwortung mittels einer Schulnote erfolgte, gab es noch eine offene Frage, bei der die Teilnehmer-innen an dem Voting drei Wünsche formulieren konnten.

Zielsetzung, Bewerbung und Beteiligung

Insgesamt haben sich an dem Voting 4.843 Personen beteiligt. Der geringe Anteil der offensichtlich falsch ausgefüllten Datensätze und die durchdachten und konkreten Wünsche, die die Befragten bei der „offenen Frage” benannt haben, zeugen von der Ernsthaftigkeit, mit der das Voting von nahezu allen Beteiligten beantwortet wurde, und misst dem Ergebnis eine besondere Qualität zu: Die Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen den Fragebogen ausgefüllt haben, sollten nun auch Politiker-innen und die Vertreter-innen der Jugendverbände, -ringe und -pflegen an den Tag legen, wenn es darum geht, die Ergebnisse zu analysieren und in der politischen Arbeit zu berücksichtigen.

Ist das Voting repräsentativ?

Der Landesjugendring hat bei der Konzeptionierung und Durchführung des Votings keinen Anspruch auf Repräsentativität gelegt wurde.  Für repräsentative Erhebungen gelten strenge Kriterien, wie z.B., dass es nur einen Zugangsweg zur Befragung (z.B. nur Internet, nur Telefon,...) geben darf, dass der Umfrageveranstalter im Vorfeld die Teilnehmer-innen auswählt und dass gewährleistet sein muss, dass jede Person nur einmal teilnimmt.

Diese Kriterien hätten den Ansprüchen des LJRs an das Beteiligungsmodell widersprochen – schließlich sollte theoretisch jede-r Jugendliche die Möglichkeit haben, an dem Voting teilzunehmen.

Die Größe der Stichprobe von fast 5.000 Befragten auf Landesebene kompensiert jedoch diese Mängel hinsichtlich der Repräsentativität, wenn man das ganze Land betrachtet. Zum Vergleich: Auf Bundesebene gelten bereits Erhebungen mit 1.000 Befragten als repräsentativ.  Für einzelne Landkreise bzw. Orte erfolgt eine Auswertung dann, wenn mehr als 20 Datensätze aus der jeweiligen Region vorliegen.
Eine Bewerbung des Votings fand u.a. statt durch: Jugendverbände, -ringe, -initiativen und -pflegen, Schulen, Presse/Zeitung, Newsletter div. Träger und Anschreiben an Multiplikator-inn-en ( wie z.B. Lehrer-innen,...). Zusätzlich wurde der glüXtest im Rahmen des Aktionsstandes des Landesjugendrings auf der „IdeenExpo” angeboten.

Zur Struktur der Befragten

Die Gruppe der Befragten lässt sich anhand von vier Eigenschaften beschreiben: Alter, Geschlecht, ehrenamtliches Engagement und Wohnort.
Der überwiegende Teil der Befragten ist zwischen 10 und 27 Jahren alt – lediglich 1% der Teilnehmer-innen waren jünger bzw. älter. Fast 50% der Teilnehmer-innen war zwischen 10 und 12 Jahren alt, weitere 43,4% zwischen 13 und 18 Jahren.
41,7% geben an, ehrenamtlich engagiert zu sein. Der Anteil der weiblichen Befragten liegt auf die Gesamtgruppe bezogen bei 53,1%.

Abschließend ein paar Informationen zum Wohnort der Teilnehmer-innen. 46,5% der Befragten leben im ländlichen Raum, 26,4 % in Stadtregionen und 27% in den Verdichtungsräumen der Großstädte. Hinsichtlich der Herkunft aus den verschiedenen (zwischenzeitlich aufgelösten) Bezirksregierungen ergibt sich folgendes Bild: 23% kommen aus dem Bezirk Braunschweig, 38,9% aus dem Bezirk Hannover, aus dem Bezirk Lüneburg kommen 12% der Votings und der verbleibende Anteil von 26% stammt aus Weser-Ems.