Meine Positionen
Bedeutung der Jugendarbeit
Welche Rolle und Bedeutung schreiben Sie der Jugendarbeit in den kommenden Jahren zu? Wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die Jugendarbeit?
Die Jugendarbeit hatte schon immer einen hohen Stellenwert. Und der wird sich auch zukünftig nicht verringern. Im Gegenteil, er wird sich noch erhöhen. Denn die Großfamilien, die früher die Kinder und Jugendlichen aufgefangen haben, wenn zum Beispiel beide Eltern arbeiteten oder nur ein Elternteil vorhanden war, gibt es nur noch selten. Heute bleiben viele Kinder sich außerhalb des Kindergartens und der Schule selbst überlassen. Oft verbringen sie die ganze Zeit vor dem Fernsehgerät oder dem Computer. Es fehlen Anreize für Kontakte zu anderen Kindern und Jugendlichen und auch zu sportlichen Aktivitäten. So gab es beispielsweise noch nie einen so großen Anteil an Nichtschwimmern unter Kindern und Jugendlichen wie es zurzeit der Fall ist.
Hier ist ein wesentlicher Ansatzpunkt für die ehrenamtliche Jugendarbeit. Sie kann Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, Kontakte zu Gleichaltrigen mit ähnlichen Interessen zu knüpfen. Sie kann das Interesse bei Jungen und Mädchen wecken, sich im Verein unter fachkundiger Aufsicht sportlich zu betätigen und den Tagesablauf sinnvoll zu strukturieren. Denn das ist unter anderem notwendig, um später eine Ausbildung absolvieren und am Arbeitsplatz bestehen zu können.
Anerkennung Ehrenamt
Wie wollen Sie das Ehrenamt in der Jugendarbeit zukünftig besonders anerkennen?
Als Präsident des größten niedersächsischen Sportvereins Eintracht Hildesheim weiß ich, dass ehrenamtliche Tätigkeit nicht nur in der Jugendarbeit, sondern auf allen Gebieten unersetzlich und unverzichtbar ist. Bundestag und Bundesrat - und damit auch die Bundesländer - haben deshalb die ehrenamtliche Tätigkeit gestärkt, indem sie zum Beispiel einen allgemeinen Steuerfreibetrag von 500 Euro für ehrenamtliche Nebeneinkünfte eingeführt haben. Des Weiteren wurde die so genannte Übungsleiterpauschale von 1.848 Euro auf 2.100 Euro erhöht. Spenden bis zu 200 Euro können steuerlich vereinfacht nachgewiesen werden. Steuervorschriften für kleine Vereine wurden vereinfacht. Und vieles mehr.
Wir haben also viel getan, um die Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit zu erhöhen und ihr den Stellenwert zu geben, den sie in unserer Gesellschaft hat.
Berührungspunkte
Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in der Jugendarbeit (z.B. als Teilnehmer-in oder Jugendleiter-in)?
Als Junge war ich in der evangelischen Jungenschaft St. Michael in Hildesheim und sportlich aktiv. Beides hat mir sehr viel Positives gegeben. Heute als Präsident des Sportvereins Eintracht Hildesheim (s. o.) liegt mir natürlich die Jugendarbeit sehr am Herzen. Der Verein stellt viele Übungsleiterstunden zur Verfügung, um Kindern und Jugendlichen ein breites Spektrum an sportlichen Aktivitäten anbieten zu können und sie in das Vereinsleben zu integrieren, damit sie später vielleicht selber einmal eine Betreuungsaufgabe oder Übungsleitertätigkeit im Verein übernehmen.
Herausforderungen für das Bildungssystem
Wo sehen Sie die zentralen Herausforderungen für das niedersächsische Bildungssystem?
Das Berufsleben hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Kaum jemand arbeitet heute noch bis zum Ruhestand in dem erlernten Beruf und wenn er dies tut, hat sich meistens das Berufsbild über die Jahre völlig verändert. Eine wesentliche Herausforderung für das Bildungssystem ist es daher, die Menschen auf ein lebenslanges Lernen vorzubereiten. Lernen zu Lernen ist hier das Stichwort.
Ein zweiter großer Bereich ist die frühkindliche Bildung. Dieser Bereich hat viel mit einer frühzeitigen optimalen Förderung aber auch mit Chancengleichheit zu tun. Die vorschulische Sprachförderung ist eine konkrete Hilfe für Kinder aus nichtdeutschsprachigen Familien ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, bevor die Schulausbildung startet. Das von der CDU-/ FDP-geführten Landesregierung neu eingeführte beitragsfreie dritte Kindergartenjahr ist ein weiterer Baustein. Das letzte Kindergartenjahr dient der Vorbereitung auf die Schule. Es sollen daher alle Kinder die Möglichkeit haben, hieran teilnehmen, darum ist es nun für die Eltern beitragsfrei.
Im Bereich der akademischen Ausbildung müssen die niedersächsischen Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten im internationalen Vergleich bestehen. Der zwischen der Niedersächsische Landesregierung und den Hochschulen in 2005 abgeschlossene Zukunftsvertrag gibt dafür die notwendige Planungssicherheit bis 2010.
Durch die Einführung der Studienbeiträge steht den niedersächsischen Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten nun weiteres Geld zur Verfügung, mit dem sie an der weiteren Verbesserung von Lehre und Forschung arbeiten können.
konkretes Ziel
Welches konkrete bildungspolitische Ziel möchten Sie als Landtagsabgeordnete-r als erstes angehen und wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?
Ich stehe hinter den bildungspolitischen Zielen der CDU, die im Wahlprogramm nachgelesen werden können. Mit Sorge erfüllt mich, dass es eine große Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss gibt. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.
Ganztagsschule
Welche konkreten Schwierigkeiten sehen Sie zurzeit bei der Kooperation von (Ganztags)Schulen mit Jugendverbänden? Wie wollen Sie hier Abhilfe schaffen?
Es könnte sein, dass die Ganztagsschule am Nachmittag mit den Freizeit- und Sportangeboten von Vereinen und den Freiwilligen Feuerwehren etc. kollidiert. Das kann durch eine echte Kooperation in Form von Absprachen zwischen den Schulen und den Vereinen, Feuerwehren usw. über das Schulende und den Beginn der Vereinsaktivitäten vermieden werden. Mein Verein, Eintracht Hildesheim führt bereits seit einigen Jahren ein recht erfolgreiches Projekt in Kooperation mit einer benachbarten Grundschule durch. Die Kinder kommen direkt nach der Schule zum Sportverein, bekommen dort ihr Mittagessen und ein umfangreiches Bewegungsangebot. In diesem und ähnliche Projekten liegt wahrscheinlich die Zukunft der Kooperation zwischen den Schulen und den Jugendverbänden.
Schritte gegen Kinderarmut
Welche konkreten Schritte gegen Kinderarmut in Niedersachsen wollen Sie daher als erstes in Angriff nehmen?
Es sind nicht nur die Kinder von Armut betroffen, sondern die gesamte Familie. Häufig geht die Armut mit fehlenden Arbeitsplätzen einher. Die staatlichen Sozialsysteme leisten eine Menge, um die Existenz der betroffenen Familien zu gewährleisten. Sicher kann man davon nicht üppig leben. Aber die Leistungen sollten die Existenz ursprünglich auch nur für eine Übergangszeit sichern, nämlich bis eine neue Arbeitsstelle gefunden war. Auf Grund der geänderten Voraussetzungen wie durch fehlende Arbeitsplätze hervorgerufene Langzeitarbeitslosigkeit haben sich die Voraussetzungen drastisch verändert. Sozialhilfe und Leistungen nach Hartz IV sind vielfach an die Stelle des Arbeitseinkommens getreten und zwar auf Dauer.
Abhilfe können hier einerseits neue Arbeitstellen schaffen, damit die Eltern wieder in Lohn und Brot kommen. Der wirtschaftliche Aufschwung, den wir seit dem letzten Jahr haben, hat dazu auch schon Einiges beigetragen. Andererseits ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen einen qualifizierten Schulabschluss erlangen, der sie zu einer Berufsausbildung oder einem Studium befähigt.
Besondere Förderung
Bei welcher Gruppe von „jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf” halten Sie eine stärkere Förderung für besonders notwendig? Wie sollte diese aussehen?
Leider gibt es mittlerweile eine große Gruppe junger Menschen, die sozial benachteiligt oder individuell beeinträchtigt sind, weil sie zum Beispiel in sozialen Brennpunkten aufwachsen. Die Eltern können ihnen bei der schulischen und beruflichen Ausbildung und der sozialen Integration nicht beistehen, weil sie selbst der Hilfe bedürfen. Diese jungen Menschen sollten durch entsprechend ausgebildete Pädagogen und Sozialarbeiter besonders gefördert werden. Sie müssen lernen, ihren Tag zu strukturieren, regelmäßig zur Schule zu gehen, Hausaufgaben zu erledigen und sich mit Mitschülerinnen und Mitschülern nicht physisch, sondern verbal auseinanderzusetzen.
Das dient der Vorbereitung auf einen Schulabschluss und eine daran anschließende Berufsausbildung. Damit wird der Grundstein dafür gelegt, dass sie später einen Arbeitsplatz finden, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können und in die Gemeinschaft integriert sind.