Das sind die 152 Abgeordneten

Vor der Landtagswahl haben wir alle Kandidat-inn-en gebeten, unsere Fragen zu den Themenfeldern "Bildung", "Jugendarbeit" und "soziale Gerechtigkeit" zu beantworten. Die Positionen der gewählten Abgeordneten könnt ihr hier nachlesen und per E-Mail in Kontakt zu ihnen treten!


Zurück zur Liste

 Stefan Wenzel
(Grüne-MdL)

Wilhelm-Bendick-Str. 23
37130 Gleichen

Wahlkreis
17 - Stadt Göttingen

Telefon
0511 3030 3301

Fax
0511 3030 3807

Website
www.wenzel-goe.de

Telefon (geschäftlich)

Fax (geschäftlich)

Beruf
Agrarökonom



Meine Positionen

Bedeutung der Jugendarbeit

Welche Rolle und Bedeutung schreiben Sie der Jugendarbeit in den kommenden Jahren zu? Wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die Jugendarbeit?

Neben der der Jugendarbeit von Sportvereinen, Feuerwehr oder Kirchen brauchen wir eine offene Jugendarbeit. Jugendarbeit muss möglichst flächendeckend angeboten werden, weil Jugendliche gerade auf den Dörfern und am Abend nicht unbedingt mobil sind. Jugendarbeit muss selbstbestimmt und emanzipatorisch sein, Freiräume schaffen und Möglichkeiten für gesellschaftliches und politisches Engagement aufzeigen. Nach der Streichung vieler Gremien und Zuschüsse für Jugendarbeit durch die amtierende Landesregierung muss die Arbeit an einigen Stellen ganz neu begonnen werden.

Anerkennung Ehrenamt

Wie wollen Sie das Ehrenamt in der Jugendarbeit zukünftig besonders anerkennen?

Durch gute Angebote für Bildung und Fortbildung. Durch zumindest teilweise Erstattung von Verdienstausfall bei Fort- und Weiterbildung.

Berührungspunkte

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in der Jugendarbeit (z.B. als Teilnehmer-in oder Jugendleiter-in)?

Ich war als Jugendlicher selber Teamer bei Angeboten der evangelischen Jugendarbeit, habe das unabhängige Jugendzentrum "Der Laden" in Resse mitgegründet und bin heute im Vorstand eines Vereins der dörfliche Jugendarbeit macht. Meine wichtigste und schönste Erfahrung war zu erleben, welche Kraft man entfalten kann, wenn man gemeinsame Ideen als Gruppe umsetzen kann. Zu erleben, wie wichtig Teamarbeit und Selbstbestimmung ist, aber auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und rechtlichen Grenzen.

Herausforderungen für das Bildungssystem

Wo sehen Sie die zentralen Herausforderungen für das niedersächsische Bildungssystem?

Heute müssen in Niedersachsen mehr als 8 Prozent der Jugendlichen die Schulen ohne Schulabschluss verlassen. Das halte ich für einen Skandal, weil diese Jugendlichen in der Regel keine Lehrstelle finden und auch keinen vernünftigen Job. Auch die Zahl der Jugendlichen, die ein Abitur erreichen ist viel zu gering. Deshalb wollen wir den Schulen bessere Leistung abverlangen. Wir haben ein Konzept für die "Neue Schule" entwickelt, die sich am finnischen Schulmodell orientiert und auch Ideen von den besten integrierten Gesamtschulen aufnimmt. Hier sollen die Kinder neun Jahre gemeinsam unterrichtet werden und dann entscheiden, ob sie auf eine gymnasiale Oberstufe gehen, eine Berufsausbildung machen oder eine Produktionsschule mit starkem Praxisbezug besuchen. Die neuen Schulen sollen mehr Eigenverantwortung übernehmen und können daher ihr individuelles Schulprogramm mit Eltern, Lehrern und Schülern im Schulvorstand gestalten. Diese Schulen werden daher sehr unterschiedliche Stärken und Profile entwickeln. Die neue Schule wollen wir zuerst dort einführen, wo Stadt- und Gemeinderäte als Schulträger das Modell unterstützen. Allen anderen Schulen werden wir höhere Qualitätsstandards abverlangen. Das heißt insbesondere: Individuelle Förderung statt Sitzen bleiben, keine Abschulung. Die Schule, die ein Kind aufnimmt, muss auch bis zum Schulabschluss Verantwortung für dieses Kind übernehmen.

Gute Bildung und Ausbildung ist eine ganz zentrale Frage sozialer Gerechtigkeit. Heute gibt es bei uns leider oft keine Chancengleichheit. Im Gegenteil: Die PISA-Studien zeigen einen großen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und den Bildungschancen der Kinder. Das kann sich ein modernes Industrieland überhaupt nicht leisten. Wer mehr als 8 Prozent der Kinder ohne Ausbildung in die Welt schickt, der verfestigt sehr bittere Armutskarrieren. Auch vor dem Hintergrund des Mangels an gut ausgebildeten Fachkräften und Ingenieuren würden wir eine große Dummheit begehen, wenn wir nicht endlich für eine bessere Schulausbildung in Niedersachsen sorgen. Die frühe Trennung der Schülerinnen und Schüler auf derzeit fünf Schulformen: Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien oder Gesamtschulen ist ein wichtiger Grund für die schlechten Leistungen unseres Bildungsystems. Es ist aber nicht der einzige Grund. Wir brauchen auch eine viel bessere Zusammenarbeit zwischen Kindergärten, Grundschulen, weiterführenden Schulen, Hochschulen und Unternehmen. Wir brauchen eine Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Bildungseinrichtungen. Wir brauchen eine stärkere Einbindung der Eltern. Weil es auch hier gewaltiges Potential für Verbesserungen gibt, habe ich mich für das Projekt "Bildungsregion Göttingen" engagiert. www.bildungsregion-goettingen.de
Und noch eins ist mir wichtig: Schule muss Spass machen! Kinder müssen ermutigt werden! Kinder müssen teilhaben und Schulprojekte machen, die ganz real ihre Lebensumwelt verändern: Schulbauernhöfe gestalten, Dorfzeitungen schreiben, Einkaufshilfen für Nachbarn organisieren, Schulwege sicher machen. Kinder können so viel. Kinder haben so großes Engagement und ein so gutes Gespür für Gerechtigkeit. Geben wir ihnen den Raum zur Entfaltung und nutzen wir ihre Kraft und Energie. Es wird dieser Gesellschaft gut tun!

konkretes Ziel

Welches konkrete bildungspolitische Ziel möchten Sie als Landtagsabgeordnete-r als erstes angehen und wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Ich will, dass kein Jugendlicher mehr ohne Schulabschluss die Schule verlassen muss. Wie ich das erreichen will, habe ich bei der letzten Frage beschrieben.

Ganztagsschule

Welche konkreten Schwierigkeiten sehen Sie zurzeit bei der Kooperation von (Ganztags)Schulen mit Jugendverbänden? Wie wollen Sie hier Abhilfe schaffen?

Die Schulen werden künftig Schulvorstände mit Schülervertretern haben, die ein Viertel der Sitze im Schulvorstand haben. Dafür haben wir lange gekämpft. Von den Schulvorständen erhoffe ich mir auch Impulse für eine bessere Kooperation mit außerschulischen Gruppen und Institutionen. Schule darf kein "closed shop" sein, sondern muss viel mehr Teil der Gesellschaft sein und außerschulische Lernangebote, Praktika, Stadtprojekte, Schülerfirmen oder auch "reisende" Schulprojekte integrieren.

Schritte gegen Kinderarmut

Welche konkreten Schritte gegen Kinderarmut in Niedersachsen wollen Sie daher als erstes in Angriff nehmen?

Wir haben durchgesetzt, dass im Landeshaushalt ein Sozialfonds eingerichtet wird, der bspw. sicherstellt, dass jedes Kind am Schulmittagessen teilnehmen kann, sofern es an der Schule angeboten wird. Auch die Busfahrkarten für Jugendliche in der Sek II und die Lernmittel sind oft ein Problem, wenn die Eltern von Arbeitslosengeld leben müssen. Hier muss der Sozialfonds unbürokratisch Abhilfe schaffen. Das ist aber eigentlich eine Notmaßnahme, weil hier der Bundestag handeln müßte. Unsere Bundestagsfraktion drängt dort auf eine Erhöhung der Regelsätze beim Arbeitslosengeld.

Besondere Förderung

Bei welcher Gruppe von „jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf” halten Sie eine stärkere Förderung für besonders notwendig? Wie sollte diese aussehen?

Ich will aktive Bildungsregionen, die alle bildungspolitischen Akteure einer Region vernetzt, Handlungspläne und Qualitätsstandards definiert und sich insbesondere um die Schwächsten kümmert. Ich will nicht Auslese, sondern individuelle Hilfe, Beratung und Unterstützung - vom Kindergarten bis zur Hochschule. Ich will eine neue Kultur der Wertschätzung in den niedersächsischen Schulen. In einer globalisierten Welt ist Bildung der zentrale Schlüssel für Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb verdient er unsere ganze Aufmerksamkeit.